Zum Hauptinhalt springen

Wie Kakaoanbau in Zeiten des Klimawandels gelingen kann

Dass es früher im Winter mehr Schnee gab und die Sommer irgendwie auch besser waren, ist vermutlich vor allem in unserer verklärenden Erinnerung so. Und doch merken wir, dass sich das Klima verändert. Noch deutlicher als bei uns ist das in den Regionen rund um den Äquator zu spüren, wo sich der Wechsel von Trocken- und Regenzeit immer mehr verschiebt und die Ausprägungen an Intensität deutlich zunehmen. Die Landwirtschaft stellt das vor enorme Herausforderungen. Was kann man tun, um mit diesen Veränderungen klarzukommen? Das habe ich meinen Kollegen Hauke Will gefragt.
27.02.2026 von Petra Lesedauer: ca. 4 Minuten

Es haben vermutlich nur wenige Schokoladenhersteller einen „Leiter landwirtschaftliche Produktion“. Es haben ja auch nur wenige eine eigene Kakaofarm. Wir haben beides: El Cacao und Hauke Will. Hauke kennt sich aus – mit dem Anbau von Agrarrohstoffen im Allgemeinen und mit Kakao im Besonderen.

Spricht man mit Hauke über den Kakaoanbau in Zeiten des Klimawandels, wird schnell klar, dass es darauf ankommt, an vielen kleinen Stellschrauben zu drehen. „Wenn wir zum Beispiel wissen, dass eine Region besonders windanfällig anfällig ist, können wir Baumreihen als Windschutz für die angebauten Kulturpflanzen setzen. Das schützt einerseits die sensible Kakaopflanze und gleichzeitig auch den Boden vor zu starkem Austrocknen. Übrigens keine neue Erfindung, sondern etwas, das Bauern zum Beispiel in Schleswig-Holstein seit jeher machen. Da gibt es für diese Baumreihen sogar einen Namen: Knick.“

Das allein wird sicher nicht ausreichen, um den Herausforderungen des Klimawandels – der sich auch immer häufiger in kranken Kakaobäumen widerspiegelt – etwas entgegenzusetzen. Hauke plädiert daher auch dafür, mehr für die Entwicklung krankheitsresistenter Pflanzensorten zu tun. Dabei gehe es nicht um Genmanipulation, sondern um klassische Pflanzenzucht. Mit dem richtigen Pflanzmaterial am richtigen Ort könne die Produktivität auf bestehender Fläche verbessert werden. Eine Standardlösung gibt es aber auch offenbar da nicht: „Weil die sich klimabedingten Herausforderungen von Region zu Region unterscheiden, kann man auch nicht die eine „perfekte Pflanzensorte züchten“, betont Hauke. „Dies würde außerdem unserem Verständnis von Biodiversität widersprechen.“

Apropos Produktivität: Das ist ein Thema, das ihm sehr am Herzen liegt: „Wir müssen darauf achten, dass wir erschlossene Flächen so bewirtschaften, dass wir eine gesunde und nachhaltige Produktivität fördern. Das verhindert, dass immer neue Flächen erschlossen werden müssen, und schützt somit ökologisch wertvolle Flächen wie zum Beispiel bestehende Wälder, die wir dringend brauchen.“

Man muss nicht viel von Landwirtschaft oder Gartenbau verstehen, um sich vorstellen zu können, dass für gute Erträge die richtige Menge Wasser und die passenden Temperaturen zur richtigen Zeit enorm wichtig sind. Es also nicht zu viel und nicht zu wenig regnet, es nicht zu heiß, aber auch nicht zu kalt ist. Genau das ist aber im Zuge des Klimawandels das Problem. Unberechenbare Niederschlagsmuster nennen das die Fachleute. Auf El Cacao haben meine Kolleginnen und Kollegen daher ein Bewässerungssystem installiert. Mit Oberflächenwasser, das ja in diesen tropischen Regionen grundsätzlich reichlich vorhanden ist, können sie so in ungewöhnlichen Trockenphasen den Pflanzenstress reduzieren. Wellness für unseren Kakao sozusagen. In den vielerorts vorherrschenden kleinbäuerlichen Strukturen lässt sich das aber jedoch nur schwer umsetzen.

Bäume als Windschutz, Bewässerung bei Trockenheit – vielleicht klingt das alles ein bisschen banal. Wir wären nicht bei Ritter, würden wir das ganze Thema nicht auch systematisch von Grund auf angehen. Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit den Experten von The Landbanking Group eine Studie erstellt, die auf wissenschaftlicher Basis untersucht, wie sich der Anbau verschiedener landwirtschaftlicher Produkte verändern muss, um auch angesichts des Klimawandels zukünftige Erträge zu sichern. Das ist nicht nur für uns als Schokoladenhersteller wichtig, sondern insbesondere auch für das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern vor Ort.

Auch wenn es ein Patentrezept natürlich nicht gibt, hat mir Hauke anhand von ein paar Beispielen gezeigt, wie sich auch die Landwirtschaft auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen kann. Das heißt aber nicht, dass wir nicht gemeinsam alles dafür tun müssen, die Auswirkungen des Klimawandels zu gering wie möglich zu halten.

Zurück zur Startseite

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar
Pflichtfelder