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Super El Niño – Panikmache oder echte Bedrohung?

Wenn es um die Beschreibung von Wetter- und Klimaphänomenen geht, greifen wir schnell zu Superlativen. Da ist dann von Jahrhundertsommer, Rekordhitze oder Monstersturm die Rede. Aktuell sorgt gerade ein Super-El-Niño für Schlagzeilen. Ob nun super oder nicht, feststeht: Da braut sich etwas zusammen und das hat auch Auswirkungen auf uns.
19.08.2026 von Petra Lesedauer: ca. 4 Minuten

Was ist überhaupt El Niño?

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im tropischen Pazifik, das unregelmäßig etwa alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen Pazifischen Ozean stärker als gewöhnlich, weil die Passatwinde schwächer als üblich wehen. Diese Erwärmung beeinflusst die Atmosphäre und kann dadurch das Wetter weltweit verändern. Regen- und Temperaturmuster geraten durcheinander. Manche Regionen bekommen zu viel Regen ab, andere zu wenig.

Die Bezeichnung „El Niño“, also wörtlich übersetzt „das Kind“ oder „der Junge“ geht übrigens auf peruanische Fischer zurück, die dieses Klimaphänomen vor allem um die Weihnachtszeit herum beobachtet haben. „El Niño“ bezieht sich also zunächst einmal auf das Christkind – „El Niño Jesus“.

Fachleute gehen davon aus, dass dieses Phänomen in diesem Jahr stärker als üblich ausfällt und auch Einfluss auf das Folgejahr haben wird. Die Meerestemperaturen also überdurchschnittlich steigen und dadurch die Wetterausschläge weltweit heftiger ausfallen.

Warum betrifft uns das?

Grundsätzlich kann El Niño auch das Wetter bei uns in Europa beeinflussen, aber weit weniger stark als zum Beispiel im Pazifikraum. Vermutlich ahnt ihr schon, wo der Haken ist: El Niño trifft viele Agrarrohstoffe, die in diesen Regionen angebaut werden. Neben Kaffee ist das unter anderem auch Kakao.

Quelle: http://iri.columbia.edu/enso

Die Auswirkungen sind dabei sehr unterschiedlich: Für Westafrika mit den großen Kakaoländern Côte d’Ivoire, Ghana und Nigeria und Mittelamerika bedeutet El Niño meist Hitze und Trockenheit, in Südamerika hingegen droht eher zu viel Regen – beides ist für die Landwirtschaft und damit vor allem für die Menschen vor Ort ein Problem, weil die Erträge sinken. Übermäßige Feuchtigkeit begünstigt zum Beispiel die Ausbreitung von Pilzkrankheiten. Und was langanhaltende Trockenheit oder gar Dürre bedeutet, wissen alle, die einen Garten oder auch nur ein paar Blumenkästen auf dem Balkon haben.

Kann man etwas dagegen tun?

Es steht außer Frage, dass wir alles tun müssen, um den Klimawandel aufzuhalten, gleichzeitig müssen wir aber auch lernen, uns anzupassen. In der Landwirtschaft ist in dem Zusammenhang häufig von einem „resilienten Anbau“ die Rede. Darüber habe ich vor ein paar Wochen auch mit meinem Kollegen Hauke gesprochen, der bei uns als Leiter landwirtschaftliche Produktion auch für unsere Kakaofarm in Nicaragua verantwortlich ist.

Der Anbau in Agroforstsystemen statt in Monokulturen spielt dabei eine Rolle oder auch der Einsatz resistenterer Sorten. Gegen zu viel Feuchtigkeit hilft zum Beispiel auch ein relativ simples Drainagesystem, wie es meine Kolleginnen und Kollegen auch auf El Cacao angelegt haben, und das dafür sorgt, dass Wasser abfließen kann und sich nicht auf den Anbauflächen staut.

Wie immer gibt es auch hier keine Patentlösung, dafür sind die Auswirkungen von El Niño in unterschiedlichen Regionen zu verschieden. Ob Überschwemmung oder Dürre – das Ergebnis ist leider oft das gleiche: Die Erträge der Bäuerinnen und Bauern sinken und damit auch ihr Einkommen, was ihre oftmals ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation zusätzlich erschwert. In unseren Kakaoprogrammen spielt daher die Diversifizierung der Einkommensquellen eine wichtige Rolle. Ziel ist es, die Abhängigkeit der Familien von einem einzelnen Agrarrohstoff zu reduzieren, um so auch schlechte Erntejahre besser überstehen zu können.

El Niño ist nicht nur eine Extremwetterlage, die das Zeug zum Superlativ hat, es ist vor allem ein Beispiel dafür, wie sehr in unserer globalisierten Welt die Dinge zusammenhängen: Ein Klimaphänomen in weit entfernen Regionen hat letztlich bei uns Auswirkungen auf ein Alltagsprodukt wie Schokolade.

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