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Umsatzplus aber Verlust: die Schokokrise

Von „Schokoladenkrise“ hat unser CEO, Andreas Ronken, in einem Interview kürzlich gesprochen. Und wenn am Wochenende in Köln die Internationale Süßwarenmesse beginnt, wird man von vielen aus der Schoko-Branche Ähnliches hören. Warum ist die wirtschaftliche Lage so angespannt? Und was hat das mit meinem Thema Nachhaltigkeit zu tun? Ein Versuch, den Dingen auf den Grund zu gehen:
30.01.2026 von Petra Lesedauer: ca. 4 Minuten

Viele Unternehmen der Schokoladenbranche veröffentlichen im Vorfeld der Süßwarenmesse ihre Umsatzzahlen des Vorjahres und so unterschiedlich die Unternehmen auch sind – da gibt es internationale Großkonzerne und mittelständische Familienunternehmen – die Tendenz ist aktuell nahezu überall ähnlich: Steigende Umsätze, aber keine Gewinne. Auch wir bei Ritter verzeichnen ein deutliches Umsatzplus, machen aber Verluste. Wie passt das zusammen?

Klar, Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Die Umsatzsteigerungen sind überwiegend darauf zurückzuführen, dass die Hersteller ihre Preise erhöht haben. Wir reden dabei übrigens ausschließlich von den Preisen, zu denen Hersteller ihre Schokolade an den Handel verkaufen – den sogenannten Abgabepreisen. Welcher Preis am Ende am Regal im Supermarkt steht, was Ihr also für die Schokolade bezahlen müsst, das entscheidet einzig und allein der Handel, der natürlich auch ein wirtschaftendes Unternehmen ist und Geld verdienen will.

Dass Umsatzsteigerungen aber nicht zu höheren Gewinnen für die Hersteller führen, dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen haben die notwendigen Preiserhöhungen, die am Ende eben auch deutlich gestiegene Endverbraucherpreise zur Folge hatten, gerade in Deutschland zu enormen Absatzrückgängen geführt. Das hat auch etwas damit zu tun, dass wir deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher ein bisschen „verwöhnt“ sind, denn Deutschland war lange eines der Industrieländer mit den günstigsten Lebensmitteln. Entsprechend „preissensibel“ sind wir.

Zum anderen – und ich weiß, wie schwer das nachzuvollziehen ist – spiegeln die Abgabepreise die tatsächlichen Kosten vielfach noch immer nicht wider. Wir machen vermutlich alle die Erfahrung, dass ständig alles irgendwie teurer wird. Das ist bei der Schokoladenproduktion nicht anders. Neben Kosten für Verpackung, Logistik oder Energie schlagen da vor allem die Rohstoffkosten zu Buche. Schon bevor der Kakaopreis Anfang 2024 sein Allzeithoch erreichte, waren viele Kosten deutlich gestiegen, die wir nicht in gleichem Maße weitergeben konnten.

Dass es bei vielen Rohstoffen immer öfter innerhalb kurzer Zeit extreme Preisschwankungen gibt, macht die Lage zusätzlich kompliziert. Fachleute sprechen von hoher Volatilität. Davon sind ganz besonders landwirtschaftliche Güter – wie eben Kakao, aber auch Nüsse oder Zucker – betroffen und das hängt mit den Auswirkungen des Klimawandels zusammen. So führen zum Beispiel die zunehmenden Extremwetterereignisse immer wieder zu schlechten Ernten.

Hier schließt sich quasi der Kreis und es wird deutlich, dass das alles sehr wohl etwas mit „meinem Thema“ Nachhaltigkeit zu tun hat. Wie Ihr aus vielen meiner Artikel hier auf dem Blog wisst, arbeiten wir seit Jahren intensiv daran, den Kakaoanbau nachhaltiger und resilienter zu machen. Ziel unserer Kakaoprogramme ist es, die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen im Kakaoanbau zum Positiven zu verändern, indem wir die Produktivität auf bestehenden Anbauflächen verbessern. Unser Nachhaltigkeitsengagement dient damit immer auch der Rohstoffsicherung, ist also kein grüner, weltverbessernder Luxus, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.

Das knüpft genau an das an, was unser Geschäftsführer Supply Chain, Asmus Wolff, letzte Woche in einem Interview hier auf dem Blog gesagt hat: „Gerade in Krisenzeiten dürfen wir nicht nachlassen, nachhaltiger zu agieren.“ 

Versteht mich nicht falsch, um die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern, sind sicher viele mutige Schritte notwendig. Für uns bei Ritter ist es zum Beispiel wichtig, dass wir die Abhängigkeiten von einzelnen Märkten reduzieren und uns breiter aufstellen. Mit Nachhaltigkeit allein werden wir das nicht schaffen. Aber ohne geht es eben ganz sicher nicht.

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2 Kommentare

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  1. Claudia sagt:
    03.02.2026 um 00:23 Uhr

    Wenn eingangs festgestellt wird, dass der Abgabepreis an den Handel nicht zwingend Einfluss auf die Preise im Handel haben, was wir also für die Schokolade bezahlen müssen – dann müsste der Preis in den Ritter-Sport-Schokoläden doch deutlich! unter den Händlerpreisen liegen? Soo groß ist der Unterschied aber nicht – Sonderangebote im Handel unterbieten Euch oft (nur die Sorten, die man nicht im Handel bekommt, machen noch den Unterschied … wenn man sie bekommt. Mini-Goldschatz z.B.)

  2. Bärbel sagt:
    30.01.2026 um 19:18 Uhr

    Da in dem Artikel auch der Zucker als Kostenfaktor erwähnt wird, frage ich mich, warum die Produkte nicht einfach weniger süß hergestellt werden. Die Schokoladen sind meistens viel zu süß und ich bin sicher weniger Zucker, der natürlich nicht durch andere Süßungsmittel ersetzt wird, tut dem Geschmack keinen Abbruch. Sicher ist das nur ein Kostenfaktor aber irgendwo muss angefangen werden.