Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema Russland und Richtigstellung von Falschaussagen

Uns erreichen nach wie vor Zuschriften zum Thema Russland und wir sehen, dass es noch Fragen dazu gibt, warum wir weiterhin unsere Schokolade nach Russland liefern. Darüber hinaus kursieren in den sozialen Medien einige Beiträge mit Aussagen, die schlichtweg falsch sind und zu Irritationen führen. Auch dazu möchten wir gerne Stellung nehmen.
02.07.2024 von Petra Lesedauer: ca. 4 Minuten

Der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg hat uns in einen Zwiespalt zwischen Haltung und Verantwortung gebracht. Unsere Haltung ist eindeutig: Wir verurteilen diesen Krieg und sind entsetzt über das Leid und die Zerstörung, die er über die Ukraine und die Menschen dort bringt. Gleichzeitig haben wir als Unternehmen aber auch Verantwortung für unsere Mitarbeitenden und für unsere Partnerinnen und Partner entlang der Lieferkette. Wir müssen also abwägen, welche Auswirkungen die eine und welche die andere Entscheidung hat. Wir sind zu der Einschätzung gekommen, dass weiterhin Schokolade nach Russland zu liefern, keinen Einfluss auf den Fortgang des Krieges haben wird, sich zurückzuziehen aber jeden fünften Arbeitsplatz in unserem Unternehmen und das Einkommen vieler Bauernfamilien in Westafrika und Lateinamerika gefährdet.

Diese Entscheidung ist hier niemandem leichtgefallen, aber wir bleiben dabei, um die Auswirkungen auf unser Unternehmen und unsere Partner so gering wie möglich zu halten. Wir tun das nicht, um Profit zu machen. Deshalb spenden wir die Gewinne aus dem laufenden Russland-Geschäft an humanitäre Organisationen, die in der Ukraine aktiv sind.

Wir verstehen, dass unsere Position nicht von allen geteilt wird und es weiterhin Kritik daran geben wird. Vielleicht können die Antworten aber ein wenig dazu beitragen, dass unsere Entscheidung nachvollziehbarer wird. Wenn ihr weitere Fragen habt, meldet euch gerne bei uns.

Warum liefert Ritter Sport weiter Schokolade nach Russland?

Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:

  1. Die Lieferungen nach Russland einzustellen hätte den Verlust von 150 bis 200 Arbeitsplätzen an unseren Produktionsstandorten in Waldenbuch und Breitenbrunn (Österreich) sowie Kurzarbeit für viele weitere Beschäftigte hier zur Folge. Russland ist nach Deutschland unser wichtigster, das heißt größter, Markt. Als ein im globalen Wettbewerb vergleichsweise kleines Unternehmen könnten wir den Verlust unseres wichtigsten Auslandsmarktes nicht so ohne weiteres auffangen.
  2. Ein Rückzug aus Russland würde nicht nur uns als Unternehmen betreffen, sondern auch viele Partner in unserer Lieferkette – allen voran die Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika und Lateinamerika, mit denen wir zum Teil seit Jahrzehnten in Kakaoprogrammen zusammenarbeiten. Es ist ein zentraler Aspekt dieser Programme, dass wir für die Bäuerinnen und Bauern ein verlässlicher Partner mit fest vereinbarten Abnahmemengen sind. Ohne den russischen Markt würden wir deutlich weniger Kakao benötigen, was Auswirkungen auf mehrere tausend Familien im Kakaoanbau hätte.

Verstößt Ritter Sport damit gegen die Sanktionen der EU?

Nein! Lebensmittel und damit auch Süßwaren wie Schokolade sind nicht Teil der Sanktionen. Güter, die nicht nach Russland exportiert werden dürfen, sind zum Beispiel: Produkte der Spitzentechnologie, bestimmte Maschinen und Fahrzeuge, Technologien für die Energiewirtschaft, die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Seeschifffahrt und Güter, die auch für militärische Zwecke verwendet werden können. Schokolade gehört nicht dazu.

Wäre es nicht ein starkes Symbol, sich vom russischen Markt zurückzuziehen?

Aber auch nicht mehr als ein Symbol, denn wir sehen heute, dass viele Produkte westlicher Firmen, die sich offiziell aus Russland zurückgezogen haben, weiterhin im Land erhältlich sind, weil sie über Importe aus Nachbarländern – den sogenannten Graumarkt – ins Land gelangen.

Was passiert mit den Gewinnen die Ritter Sport in Russland erzielt?

Wir haben die 2022 und 2023 in Russland erzielten und ausgeführten Gewinne an Hilfsorganisationen, die in der Ukraine aktiv sind, gespendet. 2022 waren das rund 1,51 Mio. Euro und 2023 etwa 940.000 Euro. Die Spenden gingen an: Humedica e.V., Help e.V., Ebersberger Förderverein Interplast e.V. und Osteuropahilfe der Landkreise Starnberg, Bad Tölz-Wolfratshausen und München e.V..  

Produziert Ritter Sport in Russland?

Nein. Wir produzieren unsere Schokolade ausschließlich in Deutschland (Waldenbuch) und in Österreich (Breitenbrunn). Wir haben seit 2003 eine Vertriebsgesellschaft in Russland. Dort arbeiten rund 100 Kolleginnen und Kollegen. Auch ihre Arbeitsplätze gingen bei einem Rückzug aus dem russischen Markt verloren.

Wie sieht die Geschäftstätigkeit von Ritter Sport in Russland aus?

Wir verkaufen unsere Produkte seit über 20 Jahren über eine lokale Vertriebsniederlassung. Darüber hinaus tätigen wir keine Investitionen in den russischen Markt.

Ist Ritter Sport das einzig deutsche Unternehmen, das weiterhin nach Russland liefert?

Zahleiche deutsche Unternehmen beliefern weiter den russischen Markt mit nicht-sanktionierten Gütern wie z.B. Lebensmitteln.

Zurück zur Startseite
1 Kommentar
Schreibe einen Kommentar
Pflichtfelder
  1. Ramona sagt:
    10.07.2024 um 15:26 Uhr

    Ich finde die Offenheit sehr gut und das so viel gespendet wurde sehr anerkennenswert.
    Die Leute die hier Ritter Sport kritisieren leisten meistens keinen Beitrag zur Verbesserung von Lebensbedingungen der Kleinbauern in Lateinamerika und für die Arbeiter ( innen ) und Familien in Deutschland.Sie produzieren in Deutschland und in Österreich .Gut so!
    Es muß immer die Fairness und der Dialog im Vordergrund stehen.Haltung zeigen war noch nie einfach!Bleibt wie ihr seid und steht zu den Werten für eine lebenswerte Welt!