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„Wir dürfen nicht nachlassen!“ Nachhaltigkeit in Krisenzeiten

Verfolgt man die öffentliche Diskussion der letzten Monate, kann man den Eindruck bekommen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei nachhaltiges Wirtschaften nicht mehr so wichtig – vielleicht sogar Teil des Problems. Dazu habe ich ein Gespräch mit unserem Geschäftsführer Supply Chain, Asmus Wolff, geführt:
22.01.2026 von Petra Lesedauer: ca. 5 Minuten

Asmus, wenn Du als Supply Chain Verantwortlicher auf das vergangene Jahr zurückblickst, wie fällt Deine Bewertung in Sachen Nachhaltigkeit aus?

Wir müssen feststellen, dass angesichts der vielen und vielfältigen Krisen in der Welt Fragen der Nachhaltigkeit in den Hintergrund rücken, vielen Menschen offenbar nicht mehr so wichtig sind. Das müssen wir als Realität akzeptieren. Auch wenn es meiner Ansicht nach falsch ist.

Wenn wir uns zum Beispiel den für uns so relevanten Kakaoanbau anschauen, dann haben doch gerade die letzten Jahre gezeigt, wie wichtig ein nachhaltiger Anbau ist, wenn wir langfristig Verfügbarkeiten sichern wollen. Ich bin davon überzeugt: Gerade in Krisenzeiten dürfen wir nicht nachlassen, nachhaltiger zu agieren.

Mein Eindruck ist auch, dass in der öffentlichen Diskussion der wirtschaftliche Faktor von Nachhaltigkeit völlig untergeht. Selbstverständlich müssen Nachhaltigkeitsmaßnahmen auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet sein. Gleichzeitig müssen wir aber erkennen, dass wir nachhaltig handeln müssen, wenn wir überhaupt zukunftsfähig sein wollen.

Es gibt unzählige Beispiele, dass das möglich ist. Wenn wir bei Ritter zum Beispiel einen immer größeren Teil unserer Energie – natürlich regenerativ – selbst erzeugen, dann hat das auch eine wirtschaftliche Dimension.

Energie ist ein gutes Stichwort: Man hat den Eindruck, Klimaschutz ist aktuell aus der Mode gekommen.

In der Tat. Die aktuelle Frage ist doch, schaffen wir es noch rechtzeitig, wenigstens die drei Grad Erwärmung zu stoppen. Durch die vielen Krisen fällt es uns Menschen offenbar schwer, hier die Dringlichkeit zu erkennen. Vielleicht auch, weil die persönlichen Einschränkungen durch die Klimakrise uns im täglichen Leben noch nicht so massiv betreffen.

In den kakaoanbauenden Ländern ist das bereits ganz anders. Da haben wir in den letzten Jahren massive Veränderungen erlebt. Klimabedingte Missernten haben dazu geführt, dass Kakao knapp geworden ist und die Rohstoffkosten explodiert sind. Auch wenn sich die Lage im Moment wieder etwas beruhigt hat, leiden wir alle noch immer unter den Auswirkungen. Bei uns hat das zum Beispiel zu Absatzverlusten geführt.

Wie reagiert die Branche auf diese Situation?

Diese Krise hat tatsächlich die ganze Branche getroffen. Die Unternehmen haben unterschiedliche Wege gewählt, damit umzugehen. Wir haben zum Beispiel entschieden, was 100 Gramm ist, bleibt 100 Gramm. Oder, dass wir unserem Qualitätsanspruch treu bleiben und nicht Kakaobutter durch andere pflanzliche Fette ersetzen, was unsere Rohstoffkosten deutlich gesenkt hätte.

Wie geht es mit unseren Kakaoprogrammen weiter?

Auch die Kakaoprogramme erzeugen immense Kosten. Dass wir daran festgehalten haben und weiterhin festhalten, ist unser Bekenntnis zur Langfristigkeit. Wir sind davon überzeugt, dass wir damit einen Weg eingeschlagen haben, in den Anbauländern etwas zum Positiven zu verändern. Und: Wir sind für die Bäuerinnen und Bauern ein verlässlicher Partner.

Es bleibt also alles wie gehabt?

Selbstverständlich müssen auch im Kakaobezug wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle spielen. Infolge des Klimawandels wird es in Zukunft häufiger zu Ernteausfällen kommen. Wir müssen daher überlegen, wie wir flexibler werden können und möglicherweise unsere Bezugsstrategie erweitern, indem wir über die aktuell fünf Länder hinaus weitere Anbauländer für uns erschließen.

Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, kommen wir aktuell auch an den diversen Regularien von Lieferkettengesetz bis Entwaldungsverordnung nicht vorbei. Hat das alles Auswirkungen auf uns bzw. unsere Entscheidungen?

Was wir zum Beispiel im Rahmen unserer Kakaoprogramme tun, machen wir aus Überzeugung. Weil wir zum einen gegenüber den Menschen im Anbau eine gewisse Verantwortung haben, und zum anderen, weil es in unserem eigenen wirtschaftlichen Interesse ist. Eine Win-win-Situation sozusagen.

Was ich damit sagen will: Die Entscheidung zu nachhaltigem Handeln haben wir lange vor den Regularien getroffen.

Dennoch bin ich auch weiterhin von der Notwendigkeit zum Beispiel der EUDR überzeugt, die der Entwaldung entgegenwirken soll. Das Problem ist leider die Bürokratie dahinter. Sie bindet zu viele Ressourcen und so erzielt man nicht den Effekt in den Anbauländern, den man sich wünscht.

Wagen wir zum Schluss einen Ausblick: Wo geht die Reise hin?

Ich kann nur für uns als Unternehmen sprechen. Wir haben klare Ziele: Wir werden durch weitere Investitionen unsere CO2-Emissionen weiter verringern und die intensive Arbeit entlang unserer gesamten Lieferkette fortsetzen. Gerade im Rohstoffbezug zeigt sich, dass Nachhaltigkeit eine Grundvoraussetzung für Qualität und guten Geschmack ist. Und letztlich geht es genau darum: richtig gute Schokolade zu machen.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke und Deine Zeit, Asmus.

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1 Kommentar

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  1. Beate Knopp sagt:
    27.01.2026 um 21:04 Uhr

    Ein sehr lesenswerter und zugleich ehrlicher Beitrag, der gut zeigt, wie komplex nachhaltiges Wirtschaften in Krisenzeiten tatsächlich ist. Besonders stark finde ich die klare Haltung, dass Nachhaltigkeit kein Luxus für gute Zeiten ist, sondern gerade dann wichtig wird, wenn Ressourcen knapp, Lieferketten fragil und Preise volatil sind. Das Beispiel des Kakaoanbaus macht diese Zusammenhänge greifbar und zeigt, dass ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft keine Gegensätze sein müssen.

    Positiv heraus sticht auch die Konsequenz, mit der hier Entscheidungen getroffen werden, etwa beim Festhalten an Qualität, Mengen und langfristigen Kakaoprogrammen, obwohl kurzfristig andere Wege günstiger gewesen wären. Das wirkt nicht wie Marketing, sondern wie ein echtes Bekenntnis zu Verlässlichkeit gegenüber den Anbauländern und den eigenen Werten. Gleichzeitig bleibt der Blick realistisch, etwa wenn es um notwendige Flexibilität, neue Bezugsquellen oder die Herausforderungen durch Bürokratie geht.

    Der Artikel vermittelt sehr gut, dass nachhaltiges Handeln nicht durch Vorschriften entsteht, sondern aus Überzeugung und langfristigem Denken. Genau diese Haltung schafft Vertrauen und zeigt, dass Verantwortung entlang der Lieferkette ein zentraler Bestandteil von Qualität ist. Ein überzeugendes Fazit, das Mut macht, auch in schwierigen Zeiten nicht nachzulassen. Vielen Dank für diesen offenen Einblick und herzliche Grüße. Beate aus Flensburg